Welchen Stellenwert hat Dronabinol in Ihrem Praxisalltag und wer ist für Sie ein „klassischer Dronabinol-Patient“?

Hauptanwendungsgebiete der Cannabinoide sind Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit, Anorexie/Kachexie, Spastik und Schmerzen. Diese Symptome treten häufi g bei Palliativpatienten auf und führen zu einer drastischen Verschlechterung der Lebensqualität. Die Ursachen vor allem von Übelkeit und Erbrechen sind, bedingt durch die Behandlung mit Opioiden, gastrointestinalen Obstruktionen, metabolischen Entgleisungen, Hirndrucksteigerungen, Angst und Depression aber auch durch Chemo- und Strahlentherapie. Trotz der konventionellen CINV (Chemotherapie induzierter Nausea and Vomiting) Therapie kommt es zum Auftreten von Übelkeit und Emesis mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 bis 60%.

Würden Sie uns kurz eine Patientengeschichte schildern?

Aus diesem Grund wurden an unserer Klinik 2 retrospektive Untersuchungen bei onkologischen Palliativpatienten mit therapierefraktärer Übelkeit und Emesis durchgeführt. In der zweiten Untersuchung wurden 33 Patienten mit 3x3 Tropfen (3x2,5mg) Dronabinol behandelt. Der Erfolg dieser Behandlung war, dass nach 6 Tagen Therapiedauer keine Patienten mehr an schwerer Übelkeit litten, im Vergleich zu 40% vor Therapiebeginn. Eine weitere Verbesserung der Lebensqualität konnte durch einen kompletten Wegfall von Erbrechen sowie einer deutlichen Appetitsteigerung erzielt werden.

Ein Therapieerfolg lässt sich auch anhand der Verbesserung der Lebensqualität messen. Welche Parameter sollten in ihren Augen zusätzlich im Therapieverlauf betrachtet werden?

Vor allem im palliativmedizinischen Setting ist es notwendig eine zufriedenstellende Lebensqualität für die Patienten zu erzielen. Neben einer suffizienten Schmerztherapie ist es auch äußerst wichtig auf Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit oder Schlafstörungen zu achten und geeignete Therapiemöglichkeiten zu ergreifen. Nach Ausschöpfung von herkömmlichen Therapieoptionen ist die Anwendung von Dronabinol eine gute Option, um diese Nebenwirkungen einzudämmen. Es ist jedoch mit Ausnahme von Appetitlosigkeit keine „firstline Therapie“.

Worauf muss beim Therapiestart- und -verlauf geachtet werden und wie stufen Sie das Nebenwirkungsprofil ein?

Möglichen Nebenwirkungen wie Tachykardie, Hypotonie, Mundtrockenheit, Schwindel, Ataxie oder Bindehautrötung kann mit langsamen Aufdosieren begegnet werden. Zu beachten sind aber die Kontraindikationen wie instabile ischämische Herzerkrankung, Psychosen, Angststörungen, Schizophrenie und Drogenabusus in der persönlichen Anamnese, aber auch Erkrankungen des Nervensystems wie Krampfneigung oder Epilepsie.

Wie sind Ihre Erfahrungen in Bezug auf Verordnung und Erstattung der DronabinolKosten durch die Krankenkassen?

In Österreich gibt es Dronabinol als magistrale Zubereitungen von pflanzlichem oder synthetisch hergestelltem delta-9-THC; das synthetische Cannabinoid Nabilone, Canemes  sowie Sativex, das standardisierte Extrakte der Cannabis-Pfl anze mit defi niertem Gehalt an THC und CBD (Cannabidiol) enthält. Dadurch kann eine gesicherte Abgabe sowie eine genau definierte Menge sichergestellt werden. Am einfachsten sowie am sinnvollsten ist die Zuweisung des Patienten an eine Spezialabteilung. Nach Ausschöpfung der Standard-Therapieoptionen ist ein Antrag bei den Krankenkassen möglich.

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